Bitte keine heisse Asche einwerfen

Francophonie

Da Kaputtendorf Radio derzeit ausschliesslich Heavy-Metal und politische Diskussionen sendet gibt es zum Ausgleich jetzt einen Beitrag für Freunde der französischsprachigen Musik:

Das hier ist France Gall, wie sie mit ihrer bezaubernd leicht überlasteten Stimme 1965 den Grand Prix D’Eurovision gewann. Ein Ohrwurm, den man vermutlich wiedererkennt:

Das Lied hatte Serge Gainsbourg geschrieben, aus dessen Feder auch der bekannte Erotik-Schocker “Je t’aime… moi non plus” stammt. Weniger bekannt ist, dass Serge obiger France in den sechzigern den nicht minder versauten Song “Les Sucettes” untergejubelt hat. Während die damals siebzehnjährige France angeblich gar nicht wusste, dass sie eigentlich nicht über Dauerlutscher singt, könnte man diese Ausrede den Machern des dazugehörigen Musikvideos nicht abnehmen. (Gab es da eigentlich schon MTV?).

Poupee de Cire wurde vielfach Interpretiert. Nicht verpassen sollte man die fantastische Karaoke Version und die der Aeronauten, die es leider leider auf Youtube nicht gibt. Aber ich werde sie auf Wunsch natürlich gerne übernächsten Montag über den Äther senden.France Gall hatte viel später mit einem anderen Lied, an dass sich die Kinder der achtziger Jahre sicher auch noch erinnern können, großen Erfolg. Alizée, deren Texte von der verehrten Mylène Farmer stammen, hat Ella ella l’a auch im Programm. Mylene hat ähnlich wie Serge auch einen ziemlichen Hang zu zwei- oder eindeutigen Texten. Wie z.B. Alizées Erfolgstitel Moi Lolita. In dem Text hat Mylène angeblich ihren Namen in einem Wortspiel versteckt: “mi-laine” (halb-Wolle). Und damit niemand behauptet, in diese Sendung sei so langweilig, weil gar keine Gedankensprünge eingebaut seien: Moby und Mylène haben 2006 zusammen ein Lied gemacht. Aus guten Grund eher nicht bekannt ist dieser herrliche Irrläufer von 1984: Maman a tort.

Um Frau Farmer hier nicht in falsches Licht zu rücken: Diese Sendung behandelt ja eigentlich France Gall, daher sind hier nur absurde Titel von Mylène ausgewählt. Eigentlich hat sie ganz grossarte Werke herausgebracht. Und ihr Mann Laurent Boutonnat hat dazu ganz bemerkenswerte Kurzfilme produziert, die über das übliche Niveau von Musikvideos sehr weit hinausgehen. Ein typisches Beispiel ist der Film zu “Libertine“. Übrigens ist Libertine kürzlich von einer gewissen Kate Ryan gecovert worden. Ob die Fans in der ersten Reihe wohl wissen, dass das Lied nur ein Klon ist? “Desenchantee”, das der Autor dieses unbedeutenden Blogeintrags sehr gerne mag und dessen Video ebenfalls ein ganz besonderes ist, ist musste leider auch dran glauben.

Zum Schluss hören wir “Dessine-moi un mouton” (Zeichne mir ein Schaf, offensichtlich ein Zitat aus dem kleinen Prinzen), in der Version aus dem legendären Konzert “Live a Bercy”. In Paris-Bercy steht eine recht große Mehrzweck-Sporthalle, in der auch Konzerte gespielt werden. Damit Thomas und Sven wieder aus der Schockstarre erwachen, folgt doch noch etwas Metall aus Bercy.

Ach ich habs mir anders überlegt. Diese Aufzählung wäre ja gar nicht vollständig ohne den Titel, der es irgendwann vor 15 – 20 Jahren in die Deutschen Radios geschafft hat: Sans contrefaçon. Oder lieber das Video? Da für das hypertrophierte Video wie immer der Soundtrack in die länge gezogen werden musste, ist der Wiedererkennungswert dort erst ab ca. der dritten Minute gegeben.

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