Bitte keine heisse Asche einwerfen

Flug Nr. 1

Fluggerät: T2M Smart Fly 200. Ein “Ready to Fly” Motorsegler aus Styropor. Aus der Box heraus ausgestattet mit vier Servos, für Höhen-, Seiten- und Querruder und einem beängstigend starken Brushless Motor an der Spitze. Das Fluggelände war suboptimal, da die begraste Fläche verhältnismässig klein und drumherum abgeerntete recht harte Äcker waren. Dazu nicht ganz Windstärke 0. Richtig 0 wäre besser. Merke: Meide die Nähe zu Windrädern. Sie stehen in der Regel an Stellen, an denen es windig ist.

Beim Preflight Check kam es zu einer unangenehmen Begegnung mit dem Propeller. Berichte von einem blutüberströmten Flugzeug sind stark übertrieben, beinhalten aber dennoch ein Quentchen Wahrheit.

Anders als bei einem Hubschrauber kann man mit einem Flugzeug – so weit dem Autor bekannt ist – nicht “ein bisschen” fliegen, sondern ganz oder gar nicht. Also wurde ganz geflogen. Wie zu erwarten mit deutlich zu starken Ruderbewegungen, die sicherstellten, dass der Vogel sich den Flugplan ignorierend nach Lee bewegte (harter Acker).

Die Styroporkonstruktion konnte erfreulicherweise fatale Schäden verhindern. Zerstörungen am Rumpf: Die Achse, auf der die Tragflächen sitzen ist etwas nach vorne gebogen.

Die Achillisferse der Flugapparatur ist die Achse des Motors. Erfolgt die Landung nicht auf dem Bauch, sondern auf der Nase, bekommt die Achse des Motors einen Schlag von vorne und wird samt dem an ihr befestigten Propeller in die Nase des Rumpfes gedrückt. Auf der Rückseite des Motors kommt die Achse dabei deutlich zum Vorschein. In Unkenntnis des Motoraufbaus erfolgte sanftes zurückschieben der Achse, die dabei hörbar irgendwo einrastete. Anschliessend machte der Motor wieder einen funktionsfähigen Eindruck. Nach der dritten Prozedur wurde aber ganz offesichtlich nicht mehr die volle Motorleistung bereitgestellt, so dass der Flugbetrieb eingestellt werden musste.

Später im Labor wurde festgestellt, dass man die Achse vollständig aus dem Motor herausziehen konnte. Bei Brushlessmotoren befinden sich im inneren des Motors Spulen, um die ein Magnet herum kreist. Internetrecherchen ergaben, dass die Verbindung der Achse mit dem Motor häufig durch maschinelles aufpressen des Magneten auf die Achse hergestellt wird. Wenn das bei unserem Motor der Fall wäre, wäre der Motor damit wahrscheinlich endgültig kaputt. Also wurde eine Rumpföffnungsoperation mittels Skalpell unternommen, um Sichtkontakt mit dem Motor herzustellen.

Nach Eröffnung der Klebeverbindung “Oberseite-Rumpf Nase bis Kanzel” stellte sich heraus, dass ein minimal invasiver Eingriff schon genügt hätte, dann ganz vorne am Magneten befindet sich eine Madenschraube, die auf die Achse drückt. Die Achse hat an dieser Stelle eine Einkerbung. Die Reparatur wurde entsprechend durch Verlagerung der Achse auf die richtige Position und Anziehen der Made ausgeführt, so dass nun wieder Flugfähigkeit hergestellt war.

One Response to “Flug Nr. 1”

  1. [341036] Thomas Says:

    Sehr schöner Bericht. Gibt es dazu vielleicht auch Fotos? Der Teil “Flugzeugreparatur für Hobbychirurgen mit Skalpell und Rippenspreizer” würde mich besonders interessieren.

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