Bitte keine heisse Asche einwerfen

Zug fällt aus

Kürzlich reiste ich mit der Bahn von Wiesbaden nach Göttingen. Leider konnte der Regional Express von Wiesbaden nach Frankfurt nicht pünktlich abfahren, teilte uns der Zugführer über den Bordfunk mit. Denn der elektronische Fahrplan im Fahrstand sei ausgefallen und es müsse nun eine Papierversion per Fax besorgt werden. Das ist natürlich nachvollziehbar. Ohen Fahrplan, weiss der Mann ja gar nicht, wo er anhalten muss und so. Ich spielte kurz mit dem Gedanken schnell einen Fahrplan per GPRS zu besorgen und damit vielleicht den Anschluss in Frankfurt zu retten. Aber erstens hätte eine nicht ausdruckbare Version auf einem Laptop den hohen Anforderungen an Fahrpläne eh nicht genügt und es hätte auch zu lange gedauert. 30 Minuten später setzte sich der Zug in Bewegung.

Der ICE um 19:13 in Frankfurt war damit unerreichbar. Und Freitag Abends von Frankfurt nach Norden verspricht ohne Reservierung ein geselliges Sit-In auf dem Boden zu werden, weil diese Züge gerne mal ausgebucht sind. Meine Freude darüber war unbeschreiblich.

Noch größer wurde sie, als ich am Bahnsteig für den nächsten ICE folgende Anzeige lesen musste:

Zug Faellt aus

Es kam mir verdächtig vor, dass angesichts dieser Katastrophe nicht eine einzige Durchsage am Bahnsteig gemacht wurde und ich trollte mich lieber nicht sofort zum nächsten Kiosk um meinen Kummer in überteuertem Bahnhofsbier zu ertränken, sondern wagte es vorsichtshalber einen ebenfalls unglücklich dreinblickenden uniformierten Mitarbeiter der Bahn zu fragen, ob diese “Zug fällt aus” Laufschrift denn wohl den Tatsachen entspreche. Seine Antwort war verblüffend:

Ja, diesen Zug gäbe es bereits seit eine Woche nicht mehr. Fragender Blick meinerseits. Gequälter Blick seinerseits. Es war klar, dass er diese dumme Frage heute schon mehr als einmal gehört hatte. Aber er erteilte mir tapfer weiter Auskunft:

Ja, wie gesagt, gibt es diesen Zug nicht mehr. Denn er ist durch einen doppelt so langen ICE ersetzt worden, und den kann man übrigens nicht reservieren, aber es ist genug Platz drin. Auch wenn er der Mann offensichtlich kaum der richtige Adressat für Verbesserungsvorschläge war, erlaubte ich mir, darauf hinzuweisen, dass dieser an sich ja erfreuliche Umstand aus der Bahnsteig Anzeige nicht so richtig hervorginge. Er fand das auch.

Prompt sprang die Anzeige um, eine neue Zugnummer erschien und die “Fällt aus” Laufschrift ging aus. Entweder können Eingaben bei der Obrigkeit doch etwas bewirken, oder die Bahn verwendet für die Anzeige eine Software, die bis 5 Minuten vor Abfahrt ordnungsgemäß den ausgefallenen Zug anzeigt. Obwohl seit einer Woche bekannt ist, dass es einen Ersatzzug gibt. Ich glaube jetzt der Einfachheit halber mal, dass meine Beschwerde die Korrektur der Anzeige bewirkt hat,

Was genau gespielt wurde habe ich nicht erfahren. Im Zug wurde gesagt, aufgrund einer technischen Störung würden die Reservierungen an den Plätzen nicht angezeigt und man solle seinen Platz für Gäste mit Reservierungen gegebenenfalls freigeben.

Ob es was mit der Fussball WM zu tun hat? Mein Zug vor zwei Wochen von Hamburg nach Göttingen war ebenfalls unfahrplangemäß ein verdoppelter ICE. Und auch dort wurde von einer “technischen Störung, Reservierungen, bla bla bla” geredet. Die Verwirrtaktik mit der falschen Anzeige haben sie damals allerdings unterlassen.

2 Responses to “Zug fällt aus”

  1. [61394] scholzie Says:

    Schoen, dass auch noch andere Menschen ihre Bahn-Erfahrungen auf diese Art verarbeiten :)

  2. [621931] Jammie Heinbach Says:

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